Julian Rogasch (2008)

  1. Julian RogaschWorin bestand Ihr berufliches Ziel in der Schulzeit und was ist daraus geworden?
    Aufgrund meines Interesses an der Fliegerei und allem, was damit zu tun hat, hatte ich immer schon den Wunsch, später auch in die Richtung zu gehen. Deshalb hörte ich mich dann um, über welche Wege es möglich ist, Pilot (Hubschrauber, Flugzeug) zu werden. Es stellte sich bald heraus, dass meine Brillenstärke hier ein Hindernis sein würde. Zwischendurch kam mir auch der Gedanke, mich einer (teuren und nicht immer 100%ig erfolgreichen) Laser-OP zu unterziehen, ließ die Idee aber bald wieder fallen.
    Ich versuchte, über eine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr in die Ausbildung zum Hubschrauberpiloten zu gelangen, scheiterte aber am Eignungsverfahren. Weil mir die Geschichte mit der Brille schon recht früh klar war, sah ich mich rechtzeitig nach möglichen Alternativen um und entschloss mich für ein Medizinstudium, zunächst auch über die Bundeswehr geplant, aber nun (glücklicherweise) doch zivil.
  2. Wie sah bzw. sieht Ihr beruflicher Werdegang nach dem Abitur aus?
    Ich bin nach dem Abi erstaunlicherweise um die Wehrpflicht herum gekommen, wurde erst im 3. Semester angeschrieben und habe mich für das Studium zurückstellen lassen.
    Mit dem Wintersemester 08/09 (Beginn: Oktober 2008) befinde ich mich jetzt im Medizinstudium in Magdeburg. Nächste Woche beginnt das 5. Semester. Noch vor Studienbeginn habe ich einen der drei Monate Krankenpflegepraktikum absolviert, die bis Ende des 4. Semesters nötig sind.
  3. Welche Fähigkeiten erwarben Sie am Gottfried-Arnold-Gymnasium und sind diese heute für Sie hilfreich?
    – Mitschriften ohne Tafelbild im Unterricht als Vorbereitung auf die Vorlesungen
    – mathematische Fähigkeiten, logisches Denken
    – Grundwissen Biologie (v. a. Genetik)
  4. Woran erinnern Sie sich besonders gerne?
    An die viele Freizeit, den Zusammenhalt in der Klasse, Diskussionsrunden, die Klassenfahrten, den Mathe- und Geschichtsunterricht.
  5. Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Schulkameraden bzw. Lehrern?
    Zu einigen Mitschülern noch sehr häufig, vor allem zu ehemaligen Klassen-/ Kurskameraden, viele andere sieht man ab und zu noch (z. B. beim Ehemaligen-Treffen). Zu den Lehrern nur, wenn ich sie zufällig treffe.
  6. Worauf sind Sie besonders stolz?
    – auf das gute Abitur, dadurch konnte ich auch meinen Wunschstudienplatz am Wunsch-studienort bekommen
    – auf die Leistungen im Studium
    – auf den erfolgreichen Sprung vom Schüler zum Studenten (eigene Wohnung …)
  7. Was waren Ihre damaligen Interessen und sind diese bis heute erhalten geblieben?
    – Segelfliegen: ja, aber nun seltener, da es nur am Wochenende möglich ist und ich dann nicht immer zu Hause bin und/oder Zeit habe
    – Klavier spielen: ja, immer noch; auch in ähnlichem Umfang
    – Sport: ja, sogar mehr als früher
    – Lesen: ja, allerdings nur, wenn wirklich Zeit ist
    – Modellbau: so gut wie gar nicht mehr, da es sehr viel Zeit verschlingt
  8. Welche Wünsche / Pläne haben Sie für die Zukunft?
    Ich möchte das Studium in der Regelstudienzeit abschließen und werde das wohl auch schaffen. Danach würde ich am liebsten an einem größeren Krankenhaus arbeiten und dort meine Facharztausbildung absolvieren. Welche Fachrichtung es sein soll, weiß ich noch nicht. Darüber, wie mein Privat-/Familienleben später aussehen soll, habe ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht. Das lässt sich ohnehin nicht planen, sondern ergibt sich wohl mit der Zeit. Natürlich wäre eine Familie mit z. B. 2 Kindern ideal.
    Ich würde gerne als Arzt zwischendurch in gemeinnützigen Organisationen (z. B. „Ärzte ohne Grenzen“) mitarbeiten, um in Ländern, v. a. der „Dritten Welt“, den Menschen die medizinische Versorgung zu ermöglichen, die für uns selbstverständlich ist, dort aber nicht möglich ist.
  9. Was hätten Sie sich für Ihre Schulzeit zusätzlich gewünscht?
    Im Nachhinein musste ich erstaunt feststellen, wie wenig Zeit ich doch für die Schule geopfert habe und wie viel Zeit man (zumindest in der Medizin) für das Studium aufwenden muss, um die gewünschten Noten zu erreichen.
    Auffällig ist der Unterschied in der Art und Weise, wie das Wissen vermittelt wird. In der Schule hat es meist gereicht, das Tafelbild mitzuschreiben und es brav auswendig zu lernen. Im Studium (zumindest bei uns) kommt es vor allem auf das Selbststudium zu Hause an, auf das Wälzen der Bücher, um die Vorlesungen, die nur eine Art roten Faden bieten, zu ergänzen. Aber gerade dieses Vorgehen ist natürlich für Schüler sehr störend, weil es zeitraubend ist und für den Schulstoff nur dann nötig, wenn Wissen über den Tellerrand hinaus gewünscht ist. Aber auf jeden Fall sollte man im Unterricht auf dieses Selbst-Erarbeiten von Stoff (z. B. ein neues Thema in Geschichte) auch zurückgreifen. Bei Hr. Kliefoth sollten wir uns beispielsweise ab und zu zu Hause ein kleines Thema in Geschichte stichpunktartig erarbeiten. So etwas hat zwar immer für Gestöhne unter uns Schülern gesorgt, ist aber sehr sinnvoll, da es genau diese Fähigkeiten, nämlich selbst entscheiden zu können, was von einem neuen Thema wichtig und wissenswert ist, schult.
  10. Welche Tipps würden Sie uns für die Schulzeit mit auf den Weg geben?
    Ich habe seit dem Abitur nicht wenige ehemalige Mitschüler getroffen, die sich jetzt ärgern, dass sie früher so faul waren. Nun beschweren sie sich über ihre Ausbildung, weil sie kein Studium beginnen konnten, oder sie studieren etwas, was sie gar nicht wollten, weil ihr Wunschstudium nicht oder nur mit Wartezeit möglich ist.
    Deshalb ist es wichtig, dass man sich recht früh Gedanken macht, in welche Richtung es später gehen soll, und man sich rechtzeitig informiert, was für Voraussetzungen dafür nötig sind (Abi-Note, Fächerwahl in der Oberstufe). So kann man sich das böse Erwachen ersparen, das einen eventuell später ereilt, wenn es leider schon zu spät ist. Ich weiß, dass die Lehrer genau das immer wieder den Schülern erzählen, es aber kaum einer wirklich ernst nimmt. Ein Kumpel hat die 13. Klasse wiederholt, in der Hoffnung, dass er dann mit einer deutlich besseren Note rechnen kann, um gute Chancen auf einen Studienplatz in seinem Lieblingsfach zu haben. Er hat sich wieder nicht richtig bemüht und das Ganze ist jetzt immer noch unsicher.
    Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Abitur-Note eventuell darüber entscheidet, ob man ein Leben mit seinem Traumberuf führen kann oder ob man irgendeine Ausbildung beginnt, die irgendwie keinen rechten Spaß macht und mit der man sich dann 40 Arbeitsjahre um die Ohren haut. Natürlich muss jeder selbst zu dieser Erkenntnis kommen, aber ich denke, es leuchtet ein, dass es ein wenig mehr Fleiß in der Schule auf jeden Fall wert ist!
    Aber trotz Lernen und Hausarbeiten und meiner Worte kann man die Schulzeit natürlich genießen und das sollte man auch bewusst tun!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Okt. 2010