Andreas Grande (2006)

1. Worin bestand Ihr berufliches Ziel in der Schulzeit und was ist daraus geworden?
Es gab zu Schulzeiten leider kein berufliches Ziel. Ich habe mich jedoch schon früh für technische Dinge interessiert und habe zu Schulzeiten in einer Band gespielt. Irgendwie habe ich es durch diverse Zufälle im Leben geschafft, diese Dinge zu vereinen, auch wenn ich heute nicht mehr in einer Band spiele.

2. Wie sah/sieht Ihr beruflicher Werdegang nach dem Abitur aus?
Nach dem Abitur wusste ich gar nicht so genau, was ich machen soll/will. Ich bin aufgrund meiner damaligen Freundin nach Hamburg gegangen und habe dort angefangen, als Sekretär auf 400 €-Basis in einer Logistikfirma zu arbeiten. Da ich mit dieser Tätigkeit nicht ausgelastet war, aber das Geld brauchte, habe ich damit begonnen, nach Feierabend, welcher meist so gegen 14:00 Uhr war, als Praktikant in einem Hamburger Live-Klub, dem Knust, zu arbeiten. Irgendwie kam ich dann auf die Idee, eine Ausbildung als Veranstaltungstechniker machen zu wollen, was sich jedoch als schwierig erwies, da alle Clubs, die ich angeschrieben hatte, ein 6-monatiges unbezahltes Praktikum vorausgesetzt haben, welches ich mir zu dem damaligen Zeitpunkt nicht leisten konnte. Durch diverse Zufälle habe ich jemanden kennen gelernt, der Medientechnik an der HAW-Hamburg studierte und mich auf diesen Studiengang aufmerksam gemacht hat. Da das mit der Ausbildung ja nicht geklappt hat, habe ich mich aufs Studium beworben und wurde angenommen. Vom Sommersemester 2008 bis zum Sommersemester 2012 habe ich dann Medientechnik studiert und mich seit 2009 selbstständig gemacht, um nebenher noch Geld verdienen zu können. Ich habe ein Gewerbe angemeldet und als Tontechniker gearbeitet. Durch Zufall hatte ich über das Studium jemanden kennengelernt, der in einer Band gespielt hat und dessen Band ich als Tontechniker begleitet habe. Dadurch bin ich den Kaiserkeller für ein Konzert gekommen, wo ich den Cheftechniker Harald wiedergetroffen habe, bei dem ich zwei Jahre zuvor ein 2-wöchiges Praktikum im Rahmen meiner Überlegung, Veranstaltungstechnik zu lernen, absolviert habe. Dieser suchte zu dem Zeitpunkt gerade jemanden, der auf Rechnung Bands im Kaiserkeller und den anderen Clubs, die durch Harald betreut wurden, mischen kann. Da ich durch die bisherige Erfahrung in der Veranstaltungstechnik eine Menge Spaß an dieser Arbeit hatte, holte ich mir einen Gewerbeschein und fing zum Reeperbahnfestival 2009 an, meinen ersten Job als professioneller Tontechniker in der Prinzenbar zu machen. Drei Tage, viel Arbeit und eine Menge Bands lagen vor mir, was, im Nachhinein betrachtet, nur der Anfang des Ganzen war.
Durch das Pflichtpraktikum im letzten Semester des Studiums bin ich dann auch zur Amptown System Company gekommen und habe dort als Projektassistent angefangen zu arbeiten. Nach dem Pflichtpraktikum habe ich über die Selbstständigkeit dort weiter als Projektassistent gearbeitet, bevor ich 2013 in die Festanstellung in Teilzeit gegangen bin. Bewusst in Teilzeit, da ich mein übriges Geld weiterhin mit dem Tontechniker-Dasein verdienen wollte und auch heute noch will.

Das Ganze nochmal in Kurzform:
– 2006 Abitur
– 2007 Aushilfskraft als Sekretär in einer Logistikfirma/Praktikum in diversen Hamburger Clubs, allem voran dem Knust
– 2008 – 2012 Studium an der HAW Hamburg im Fach Medientechnik
– seit 2009 – heute selbstständig/Gewerbe als Tontechniker/Medientechniker
– seit 2013 – heute festangestellt in Teilzeit als Projektleiter/Projektmanager bei der Amptown System Company im Bereich Medientechnik (Audio, Video- & Konferenztechnik, Mediensteuerungssysteme) – Hamburg

Familienstand: ledig

3. Welche Fähigkeiten haben Sie am Gottfried-Arnold-Gymnasium erworben, die für Ihren späteren Werdegang besonders hilfreich waren?
Auch wenn ich es damals nicht wahr haben wollte und auch nicht wirklich gut in diesen Fächern war, aber Mathe und Physik, letzteres habe ich sogar nach der 12. Klasse abgewählt, haben mir für das Studium geholfen. Jedes technische Studium hat Grundfächer wie Mathe und Physik und auch Sachen wie Akustik, Videosignale usw. beruhen alle auf Physik und Mathematik, da kommt man nicht drum herum.
Englisch hat mir auch sehr geholfen, da ich heute als Tontechniker sehr häufig mit internationalen Produktionen zu tun habe, bei denen Englisch die Fachsprache ist. Darüber hinaus muss ich sowohl als Tontechniker als auch als Medientechniker sehr häufig Fachliteratur lesen, die zu 90 % in Englisch verfasst ist. Auch Bedienungsanleitungen/Manuals bzw. Installation Guides sind sehr oft nur auf Englisch verfügbar.

4. Woran erinnern Sie sich heute auf Rückblick Ihrer Schulzeit besonders gern?
Besonders gern denke ich an die Sekundarstufe II zurück, als das Klassensystem aufgelöst und das Kurssystem eingeführt wurde. Man wurde viel mehr mit den verschiedenen Mitschülern durchgemischt und auch der Draht zu den Lehrern wurde besser. Man hat angefangen die Dinge in größeren Dimensionen zu sehen und die Zusammenhänge besser verstanden. Diese Steigerung habe ich beispielsweise im Studium auch noch einmal erlebt, gerade was das Verständnis für Naturwissenschaften angeht.
Weiterhin blicke ich auch gerne auf meine Zeit als Schlagzeuger in meiner Band blackminded zurück. Wir haben auch auf diversen Schulfesten gespielt, wenn wir nicht sowieso auf Konzertabenden unterwegs waren.
Als Letztes würde ich sagen, dass das Beste an der Schulzeit auch die viele Freizeit war. Klar gab es Hausaufgaben und man musste für Test und Arbeiten lernen, aber letztlich war das noch harmlos im Vergleich zu dem, was nach dem Abitur alles auf einen zukommt. Das leben als Schüler ist einfach sorgenfreier. 🙂

5. Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Schulkameraden/Lehrern?
Ich habe Kontakt zu den mir wichtigsten Leuten, die ich seit meiner Schulzeit als Freunde bezeichne. Zu Lehrern eher weniger, auch wenn ich bei manchen wirklich neugierig bin, wie es denen so geht.
Ich glaube ganz einfach, dass man diejenigen, die man als Freunde bezeichnet, sowieso im Leben behält, auch wenn oftmals viele hunderte Kilometer dazwischen liegen.

6. Worauf sind Sie bezüglich Ihrer Schullaufbahn besonders stolz?
Das ist eine weit gefasste Frage …
Ich bin stolz darauf, in einer Band gespielt zu haben, deren Mitglieder aus Schulkameraden bestand und die ich eben auch durch die Schule kennen gelernt habe.
Ich bin stolz darauf, ein Teil des Projektes Demokratie an der Schule gewesen zu sein und das Ganze mit in Gang gebracht zu haben.
Ich bin stolz darauf, mein ABI mit 2,4 geschafft zu haben, trotzdem ich die 11. Jahrgangsstufe wiederholen musste (zu viel Computerspiele gezockt), da ich in mehreren Fächern versetzungsgefährdet war.

7. Was waren Ihre damaligen Interessen und sind diese bis heute erhalten geblieben?
Meine Interesseren wie Musik und Technik sind wie oben schon geschrieben damals entstanden und bis heute geblieben. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich mehr in den Naturwissenschaften aufpassen muss, damit ich es später im Studium leichter habe, hätte ich es vielleicht auch getan. 🙂

8. Welche Wünsche bzw. Pläne haben Sie für Ihre Zukunft?
Ich bin an sich mit meiner beruflichen Situation zufrieden. Ich verdiene genügend Geld, um mein Leben leben zu können, ich mache das, was mir Spaß macht, und bin viel in der Welt unterwegs, gerade als Tontechniker mit diversen Bands erlebt man eine Menge Dinge Da ich noch ledig bin, hoffe ich natürlich auch, irgendwann einmal die richtige Freundin zu finden, mit der ich dann mein Leben verbringen und teilen kann, momentan ist aber alles gut so, wie es ist.

9. Was hätten Sie sich für Ihre Schulzeit zusätzlich gewünscht?
Mir fehlte in der Schule ein Fach, das einen auf das Leben vorbereitet. Da es von meiner Familie her aus niemanden gab, der mir gesagt hat, wie das alles läuft, hätte ich mir von der Schule her ein Fach gewünscht, welches einen vorbereitet.
Dinge wie, welche Versicherungen gibt es, welche brauche ich. Wie läuft das mit der Rente, wie schreibe ich richtig eine Bewerbung, wie finde ich heraus, was ich später einmal werden möchte oder könnte. Der Part ist schwierig zu beschrieben und könnte endlos gefüllt werden, aber ich glaube es kommt rüber, was ich meine.
Ansonsten war ich eigentlich recht zufrieden.

10. Welche Tipps würden Sie der heutigen Schülerschaft mit auf den Weg geben?
Spätestens ein Jahr vor dem Abitur darüber nachdenken, was man in etwa nach dem ABI machen möchte. Ob nun eine Ausbildung, studieren oder erst einmal ins Ausland oder zum Bund gehen, eventuell ein freiwilliges soziales Jahr machen.
Auch wenn es noch etwas fern erscheint, aber rechtzeitig darüber informieren, was man für ein Studium oder eine Ausbildung benötigt, gerade wenn man schon eine Affinität in eine bestimmte Richtung hat. Ich spiele immer wieder auf die Naturwissenschaften an, essentiell wichtig für technische/Ingenieursberufe.

Vielleicht sollte man an der Schule einen Tag machen, an dem ehemalige Schüler von ihren Erfahrungen und Wegen nach dem Abitur den Schülern der Sekundarstufe II berichten. Ich glaube, mir hätte das damals früher einen Schubser in die richtige Richtung geben können, hätte ich in der 11. Klasse gewusst, dass ich, um Pilot oder Lotse werden zu können, ein 1,? Abitur brauche. 🙂

Okt. 2016

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