Lehrerlein im Glück

Vom kleinen Lehrer Glück

Ihr fragtet an einem Dienstag, ist wohl‘n paar Wochen her,
machen Se mit, beim Poetry Slam, das ist gar nicht so schwer.
Reden Se von der Schule und was Sie so bewegt,
worüber Sie sich freuen und was Ihnen die Sprache verschlägt.

Ich sagte ja gut, ich mache mit,
insgeheim dachte ich oh Schitt,
warum hab ich bloß ja gesagt,
was soll ich hier von mir geben?
Ihr interessiert euch doch nicht wirklich
für mein Lehrerleben.

Nun gut:
Los geht’s morgens immer mit nem Piepton,
beim Zähneputzen überleg ich schon,
du musst heute die Erste sein,
in der Tasche steckt ne Schülerpein.
Eine Arbeit für die Zehner,
hoffentlich fehlt heut keener.

Rein ins Auto, durch Weisen durch,
der Opa vor mir fährt wie ein Lurch.
Rote Ampel und Schranken, das ist klar,
hinter mir Blaulicht mit Tatütata.

So geschafft, fix das Auto an den Rand,
gut dass ich gleich nen Parkplatz fand.
freundlich hallo und runter in den Keller,
juhu die Tür ist noch zu, keiner war schneller.

Arbeiten aus der Tasche gezogen,
ran an das Kopiergerät,
Code eingegeben, okay gedrückt,
ein Blick zur Uhr, es ist noch Zeit,
mir vielleicht sogar noch ein Päuschen bleibt.

Doch was ist nun, eine rote Lampe uhi,uhi,
na super, heute ist nix mit Kopien,
oh die Schüler werden grienen.

Plan B muss her, also hoch die Treppen und im Sprint,
rein ins Sekretariat, wenn da mal nicht schon die anderen sind,
Ein Glück, das Zimmer ist leer, der Kopierer geht,
es ist fünf vor halb 8, also noch nicht zu spät.

Es klingelt, ich begrüße die Schüler und sie mich zurück,
ich registriere sofort mein ganzes Lehrerglück,
keine Arbeit ist übrig, keiner fehlt,
das ist wirklich sehr selten, denk ich beseelt.


Poetry Slam von unserer Lehrerin Frau Zierke bei der Schülervollversammlung am letzten Schultag vor den Sommerferien.

 

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