Für die Geschichte unterwegs

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Gesprächsrunde in der Kanzlei vom Rechtsanwalt und Politiker Lothar de Maizère.

Seit wenigen Jahren gibt es in Brandenburg das Unterrichtsfach Seminarkurs für Gymnasiasten in der Sekundarstufe zwei. Dort fertigen die Schülerinnen und Schüler wissenschaftliche Arbeiten an und lernen dafür alle wichtigen Grundlagen.
Zwei Gruppen vom Seminarkurs Geschichte aus dem elften Jahrgang unseres Gymnasiums reisten am Dienstag zur Vorbereitung auf ihre Seminararbeit nach Berlin. Wir von der GAG Times waren mit dabei und berichten für Euch im Folgenden.
Die eine Gruppe befasst sich in ihrer Arbeit mit dem Thema Juden und wirkt dabei bei der Ausstellung des neuen Judenhofes mit. Gemeinsam mit unserem ehemaligen Direktor Hartmut Schneider vom Kulturverein und Rainer Meißle, einer der Projektinitiatoren vom Judenhof, besuchten die Gymnasiasten das Jüdische Museum und führten ein spannendes Gespräch mit der Kantorin und Schauspielerin Jalda Rebling.
Die andere Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Flüchtlinge, insbesondere im historischen Kontext zu den Hugenotten und deren Nachfahren. So besuchten die Schüler gemeinsam mit der Geschichtslehrerin Jacquelin Kliefoth und dem Perleberger Museumsleiter Frank Riedel den deutschen Politiker und Rechtsanwalt Lothar de Maizière, den Cousin von Thomas de Maizière, dem derzeitigen deutschen Bundesinnenminister. Er selbst erzählte als Nachfahre von Hugenotten viel über seine Kindheit. Dank alter Kirchenbücher können Familienmitglieder bis ins Jahr 1400 zurückverfolgt werden. De Maizières Vorfahren stammen aus einem Stadtteil des heutigen französischen Metz und flohen damals als Hugenotten nach Deutschland. Seine Eltern, beide Lutheraner, standen eng in Verbindung mit der Kirche. Seine Erziehung war dementsprechend streng, aber warmherzig. Nach einem Musikstudium wechselte er wie sein Vater zur

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Grabdenkmal von Friedrich August Stüler, dem Architekten des Haus 1 unseres Gymnasiums

Rechtswissenschaft. Bereits seit seinem 16. Lebensjahr ist de Maizière Mitglied in der CDU. Aufgrund von politischen Veränderungen wurde er erstmalig im Kabinett Modrow zum Minister und anschließend zum stellvertretenden Ministerpräsidenten gewählt. Schließlich wurde er 1990 der erste demokratisch gewählte und zugleich letzte Ministerpräsident der Deutschen Demokratischen Republik. Mit dem Unterzeichnen des Zwei-plus-Vier-Vertrags, dem Staatsvertrag zwischen der BRD, DDR sowie Frankreich, der Sowjetunion, Großbritannien und den USA war er maßgeblich an der deutschen Wiedervereinigung beteiligt. So berichtete Lothar de Maizière den Schülern unseres Gymnasiums von der Trennung durch die Mauer zu anderen Familienmitgliedern sowie über all seine politischen Aktivitäten. Mehr zu den Hugenotten, Salzburgern und anderen Glaubensflüchtlingen und deren Aufnahme in der Prignitz zeigt ab Anfang Juli dieses Jahres eine Sonderausstellung des Stadt- und Regionalmuseums, an der die Gymnasiasten des Seminarkurses unserer Schule ebenfalls mitwirken.
Weiter auf dem Plan stand ein Rundgang auf dem französischen Friedhof, direkt neben der Kanzlei von Lothar de Maizière. Hier entdeckten die Schüler unter anderem das Grabdenkmal von Friedrich August Stüler, dem Architekten des Haus 1 unseres Gymnasiums. Außerdem besuchten die Elftklässler das Hugenottenmuseum im Französischen Dom am Gendarmenmarkt, bevor die Heimreise zurück nach Perleberg angetreten wurde.

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v.l.n.r.: Sophie Büchner (Jhg. 11), Jacquelin Kliefoth (Geschichtslehrerin), Lothar de Maizère (Politiker), Hendrik Imm (Jhg. 11), Robin Meyer (Jhg. 11) und Frank Riedel (Museumsleiter).
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Interessante Fakten auf einer Informationstafel vor dem Französischen Dom am Gendarmenmarkt.
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Gruppenfoto vor dem Französischen Dom.

Fotos und Text: Marcus J. Pfeiffer