Von Afrika nach Deutschland – Auf der Flucht vor der Familie

I. und Y. sind beide 16 Jahre alt. Seit Dezember letzten Jahres gehen sie in die neunte Klasse unseres Gymnasiums. Sie sind aufgeweckte Schüler, spielen gerne Fußball, außerdem mögen beide Rap und Gesang aus ihrer Heimat.
Sie stammen aus einer Stadt in Westafrika. I. und Y. sind Verwandt, doch eine lange Lebenszeit wussten sie nichts von dem anderen.
Sie trafen sich zufällig in einem Flüchtlingscamp in Eisenhüttenstadt. Beim Ausfüllen von einigen Dokumenten brauchte I. ein wenig Hilfe, zum Glück war ein Junge hinter ihm, der seine Sprache sprach, es war Y. Die beiden stellten fest, dass sie aus derselben Stadt kamen, den gleichen Nachnamen trugen und fingen an, ihre Familienhintergründe zu vergleichen. Beide kamen aus demselbem Stadtbezirk, sie hatten die gleichen Familienverhältnisse und ein und dieselben Familienprobleme. Diese waren auch der Grund für die Flucht von Westafrika nach Deutschland.

Y. lebte in einem großen Haus mit seiner Familie. Doch einige Krisen zwischen den Familienmitgliedern sorgten für Streit. Seine Eltern zogen mit ihm und seinen Geschwistern in eine neue Mietwohnung.
Plötzlich verstarb sein Vater. Seine Mutter wurde der Hexerei bezichtigt. Infolgedessen wurde Ihnen der Mietvertrag gekündigt. Sie standen auf der Straße. Seine Mutter entschied, dass sie in die Hauptstadt gehen. Am Bahnhof angekommen nahm seine Mutter die Schwester mit. Sie wollte eine Unterkunft suchen. Y. wartete drei Tage auf seine Mutter und Schwester, vergebens.
Ein Freund bot ihm Arbeit in seiner Waschanlage an. Anschließend entschied er, zu einem Freund in ein anderes Land zu gehen. Sein Arbeitgeber in der Waschanlage half ihm die Reise zu organisieren. In dem Land angekommen erhielten sie schon bald die Warnung, dass Y. eventuell von seiner Familie gefunden werden könnte. Er war nicht mehr sicher. Y. und sein Freund beschlossen beide, nach Europa zu flüchten.
Unterwegs liefen beide in die Arme von Banditen, welche sie entführten und unter sklavenähnlichen Zuständen festnahmen. Wenig Essen und harte körperliche Arbeit folgten für einige Wochen.
Unter diesen Umständen starb sein Freund. Ein alter Mann half Y. bei seiner Flucht aus dem Lager. Er riet ihm mit einem Araber Kontakt aufzunehmen. Y. gelang die Flucht und kam Dank dem Araber auf ein Flüchtlingsboot nach Europa.

I. wuchs in ähnlichen Zuständen auf. Gleiche Probleme, gleiche Streitigkeiten. Als sein Vater versuchte die, Umstände zu verbessern wurde er ermordet. Zu seiner Sicherheit brachte seine Mutter ihn bei seiner Oma unter, doch danach verschwand seine Mutter ebenfalls mit den Geschwistern. Seine Oma riet ihm das Land zu verlassen, da sonst die Gefahr besteht, dass I. auch ermordet wird. Er kam bei einem Mann unter, der ihn eine Zeit lang pflegte und Unterschlupf gewährte. Doch schon bald wurde bemerkt, dass nach ihm gesucht wird. Der Mann brachte I. in eine andere Stadt, wo er allerdings auch nicht sicher war. I. wurde ebenfalls, wie Y., von Banditen überfallen und in ein waldartiges Camp gebracht. Dort begegnete er einer Person, die ihm Geld gab, damit er fliehen und das Camp verlassen kann.
Mit dem Geld bezahlte I. einen Fahrer, der ihn und ein paar andere Flüchtlinge in sichere Gebiete fuhr. Ihr Ziel war nun der norden von Afrika, um von dort aus mit einem Boot nach Italien zu fahren. Sie erreichten ihr Ziel.
Die Zustände auf dem Boot waren gefährlich. Als sie an der Küste von Italien aufgefunden wurden, hatten sie keinerlei Rettungswesten oder Ähnliches dabei. 140 Personen ohne Sicherheitsmaßnahmen auf einem kleinen Boot über das Mittelmeer.

„Gott rettete mich auf meiner Flucht. Ich wäre lieber auf dem Ozean gestorben, als von meiner eigenen Familie umgebracht zu werden“, betonen die beiden Flüchtlinge. Durch Italien und Österreich kamen sie nach Deutschland. Das erste Ziel war Eisenhüttenstadt. Dort, wo sie sich das erste Mal trafen. Anschließend wurden beide nach Pritzwalk gebracht. Momentan wohnen sie bei einer Betreuerin des dortigen Flüchtlingslagers. Zurzeit bekommen I. und Y. Unterricht in der deutschen Sprache, um sich besser mit ihren Mitschülern unterhalten und dem Unterricht besser folgen zu können.
Noch sind die Sprachbarrieren groß. Vor allem hapert es bei der Kommunikation mit ihren Klassenkameraden. Doch dies wird sich dank der Sprachkurse hoffentlich bald ändern.
Wir wünschen den beiden alles Gute in ihren zukünftigen Leben und hoffen, dass sie sich bald in unsere Schule einleben.

Verfasst von Johann Becker


Die Redaktion der GAG Times bedankt sich sehr für die Hilfsbereitschaft und das Engagement von Lara Haufe, einer Schülerin aus dem elften Jahrgang. Sie half ungemein bei Verständigung in der Muttersprache von I. und Y.