Sprachbarrieren? – Nicht bei der Tandem-Gruppe

Immer mehr Menschen fliehen aus ihrem Land. Besonders betroffen sind Länder im arabischen Raum wie Syrien, Kosovo und Albanien. Die Menschen fliehen vor Krieg, vor Brutalität und vor dem IS. In Mittel- und Westeuropa suchen sie Zuflucht mit dem Wunsch nach einem besseren Leben. Jeden Tag kommen viele Tausende Flüchtlinge nach Deutschland. Doch schon an der Grenze ist erst einmal Schluss und die Bürokratie beginnt. Zunächst kommen die geflüchteten Menschen in große Auffanglager, anschließend werden sie verteilt. Anfangs in die Bundesländer, dann in die Landkreise und schließlich in die Städte, dort, wo sie versuchen Fuß zu fassen. Bereits mehrere Hundert kamen nach Perleberg. Die meisten von ihnen sprechen nur Arabisch, selten auch Englisch. Meist sind sie allein unterwegs, die Familie zu Hause zurückgelassen, auf der Suche nach einer Tätigkeit, um die Kinder und Frauen zu ernähren. Um Arbeit zu finden, um im neuen Leben zurechtzukommen, sind Deutschkenntnisse das A und O. So hat es sich die Sprachtandem-Gruppe unserer Schule zur Aufgabe gemacht zu helfen, dort, wo ihre Hilfe am meisten gebraucht wird. Schüler der neunten und zehnten Klassen treffen sich jeden Freitagnachmittag in ihrer Freizeit und bringen den Flüchtlingen Deutsch bei. Den Anfang machte Daniel Pöhl bereits Ende Mai: „Zunächst habe ich Einzelnen Unterricht gegeben, bis ich am Anfang dieses Schuljahres der `Schule ohne Rassismus´-Gruppe mein Konzept vorgelegt hatte.“ Jonas Henle von der Gruppe war von der Idee vollkommen begeistert: „Ich fand das Konzept von Daniel mit der Sprachtandem-Gruppe sehr gut. Ein Schüler unterrichtet einen Geflüchteten. So entstand Anfang Oktober die Gruppe an unserer Schule.“ Zurzeit ist dieses Konzept einzigartig in der Region und auch sehr erfolgreich. „Wir sehen bei vielen schon große Verbesserungen in der deutschen Sprache“, berichtet Diana Tamplon, Mitwirkende der Sprachtandem-Gruppe. „Vertreten ist jede Altersgruppe. Jugendliche in unserem Alter oder jünger bis Erwachsene mittleren Alters haben wir schon unterrichtet“, ergänzt Diana. Zurzeit wirken an die 15 Schüler unserer Schule daran mit. Doch zwischenzeitlich nehmen bis zu 30 Flüchtlinge das Angebot am Freitagnachmittag wahr. So zog die Gruppe mit ihrem Unterricht von den anfänglich genutzten Räumlichkeiten der SPD vor kurzem in das Haus 1 unseres Gymnasiums. Nach einem theoretischen Teil am Anfang jeder Stunde, an dem zumeist Arbeitsblätter behandelt werden, geht es raus in die Innenstadt. Dort können die Flüchtlinge praktisch lernen. So war die Gruppe schon in der Bibliothek, bei Rossmann, bei einem Bäcker und anderen Geschäften in Perleberg, wo das Anwenden der deutschen Sprache verdeutlicht wird.
Beim gemeinsamen Museumsbesuch am Freitagnachmittag konnte die Schülerzeitung GAG Times mit dabei sein. Frank Riedel, der Museumsleiter, führte die Gruppe durch das Museum und erklärte viele spannende historische Hintergründe. Die Verständigung klappte auf Englisch und Russisch sehr gut.
Alle interessierten und engagierten Schülerinnen und Schüler sind herzlichst dazu eingeladen, bei einem der nächsten Treffen vorbeizuschauen und die Gruppe zu unterstützen. Es wird jede Hilfe benötigt. Die Treffen finden in der Regel jeden Freitagnachmittag im Haus 1 unseres Gymnasiums statt.

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Fotos und Text: Marcus J. Pfeiffer

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